Tagung "Kolonialgeschichte und Geschichtskultur: Einstellungen und historisch-politische (Bildungs-)Perspektiven"
26.03.2026 bis 27.03.2026, Münster
Im Münsteraner Schloss brachte die Tagung „Kolonialgeschichte und Geschichtskultur: Einstellungen und historisch-politische (Bildungs-)Perspektiven“ interdisziplinäre Perspektiven zusammen. An zwei Tagen wurde zu drei Aspekten der deutschen Kolonialvergangenheit diskutiert: gegenwärtige Einstellungen zum Kolonialismus, Ansätze der postkolonialen Theorie und der historisch-politischen Bildung sowie Spuren geschichtskultureller Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe.
Im ersten Panel präsentierten Johannes Jansen, Nancy Rushohora und Christoph Kühberger verschiedene Einstellungsdimensionen zur Kolonialgeschichte in der deutschen Bevölkerung, in Tansania sowie bei Lehrkräften aus Hawaii. Diese Beiträge, die bestehende Forschungslücken adressierten, bildeten die Grundlage für das zweite Panel mit politikdidaktischer Ausrichtung. Ina Kerner, Malte Kleinschmidt und Iris Rajanayagam schärften den Blick auf postkoloniale Theorie, dekoloniale Bildungsperspektiven und deren Implikationen für Bildungsarbeit. Es wurde herausgearbeitet, wie sich postkoloniale Theorieansätze in Reichweite und Anspruch unterscheiden und dass unsere Vorstellungen von Zeit, Kontinuität und Wandel selbst kolonialen Denkmustern unterliegen.
Den ersten Tagungstag beschloss dann Bernd-Stefan Grewe mit einem Vortrag zur kolonialen Erinnerungskultur, in dem er die anhaltende Gegenwartsrelevanz des Themas, insbesondere anhand identitätspolitischer Auseinandersetzungen hervorhob und unterschiedlicher Phasen der Auseinandersetzung in Deutschland nachzeichnete.
Am zweiten Tag rückten lokale Kolonialvergangenheiten in den Fokus, eingeleitet durch einen Stadtrundgang in Münster zu kolonialgeschichtlichen Relikten im öffentlichen Raum. Wiederholt kam zur Sprache, wie diese Relikte angemessen historisiert und kontextualisiert werden könnten. Im anschließenden Panel zeigten Alina Marktanner, Sabrina Schmitz-Zerres und Johanna Strunge anhand vielfältiger Beispiele aus Karneval, Geschichtsrevisionismus, Schulbüchern sowie Lehrplänen und Museen unterschiedliche Zugänge zum Themenkomplex. In der Abschlussdiskussion und im Verlauf der Tagung wurde deutlich, dass weitgehend Einigkeit über bestehende Defizite besteht, während konkrete bildungspraktische Konsequenzen, z. B. hinsichtlich Lehrplangestaltung und Schlussfolgerungen aus postkolonialen Theorien, nicht unumstritten blieben.